Warum QR-Codes nicht massentauglich sind (und was Sie dagegen tun können)

Die meisten von uns, die mit dem oder im Web arbeiten, kennen mittlerweile QR-Codes. Jetzt aber Hand auf’s Herz, wie viele QR-Codes haben Sie schon gescannt – nicht um den Code für ein eigenes Projekt zu testen, sondern um zum Beispiel zusätzliche Informationen abzurufen?
Nicht so oft, oder? Schauen wir mal, ob es dem Otto-Normalnutzer anders ergehen kann.

Was QR-Codes genau sind, lässt sich auf verschiedensten Websites nachlesen und so will ich an dieser Stelle nicht auf die Details eingehen.
Stark vereinfacht ausgedrückt, ist ein QR-Code ein Link! Ein Link, der es unter anderem ermöglichen kann, von einem Medium in ein anderes zu wechseln. Dies kann ein Wechsel von einer Printkampagne zu einer Website oder einer Kundenhotline sein. Letzten Endes ist es ein Link, der dem Nutzer lästige Tipparbeit abnehmen soll. Das klingt praktisch, trotzdem gibt es viele Reibungsverluste.

Ein QR-Code

Nicht jeder besitzt ein Smartphone

Im Jahr 2011 wurde ein großes Wachstum für die QR-Codes prognostiziert – und zwar noch für das damals laufende Jahr.
Sicher, die Anzahl der Smartphone-Nutzer steigt ständig, und somit auch die Chance, dass der eigene Code gescannt wird. Und trotzdem, es gibt noch viele Nutzer, die kein iPhone, Samsung Galaxy oder anderes Smartphone ihr Eigen nennen. Diese Nutzer greifen auf ein Gerät zurück, das QR-Codes nicht scannen kann. Diese Menschen surfen vielleicht sogar im Web, haben aber keine Möglichkeit zusätzliche Software auf ihrem Gerät zu installieren.

Nutzer erkennen Codes nicht oder verwechseln sie

QR-Codes haben laut einigen Studien an Bekanntheit zugelegt, aber noch lange nicht jeder Nutzer kennt diese Codes. Viele Menschen haben die Codes oder eine Abart hiervon wahrscheinlich schon mal gesehen, und genau das ist das Problem. Dem QR-Code ähnliche Verfahren werden nämlich auch in anderen Bereichen eingesetzt – ein schönes Beispiel hierfür ist die Datamatrix, die auf Paketen und Briefen eingesetzt wird. Sie sieht dem QR-Code sehr ähnlich, aber es werden andere Inhalte codiert. Der Nutzer vermutet in der Datamatrix einen Link und scannt diesen. Wider erwarten wird aber keine Website aufgerufen und im schlimmsten sogar überhaupt kein Feedback gegeben. Diese negative Erfahrung überträgt der Nutzer nun auch auf herkömmliche QR-Codes und ignoriert diese fortan.

Die Codes werden falsch genutzt

Mein Job als Designer erfordert von mir, dass ich Menschen beobachte, um Probleme, die diese Menschen im täglichen Leben haben, zu lösen.
Auch Menschen, die mit QR-Codes umzugehen versuchten, konnte ich beobachten. Ein Problem, das Menschen mit den QR-Codes haben – sie fotografieren den Code mit der im Smartphone integrierten Kamera und erwarten eine Aktion des Smartphones. Diese bleibt natürlich aus und so wird der QR-Code (im besten Fall nur der gerade fotografierte) ignoriert.

Eine zusätzliche Anwendung wird benötigt

Hier eröffnet sich für Softwareentwickler eine Gelegenheit. Entwickeln Sie eine Kamerasoftware, die selbständig QR-Codes erkennt und dem Nutzer eine Aktionsmöglichkeit bietet. Diese Funktionalität sollte im Optimalfall bereits im Betriebssystem implementiert sein. Apple, Google oder Microsoft, lest ihr das?
Leider ist mir diese Funktionalität bisher unbekannt und so muss auf Software von Drittherstellern zurückgegriffen werden. Auch dies ist ein wichtiger Punkt, den der Nutzer kennen muss.

Scanner und Kamera von unterschiedlicher Güte

Konnte der Nutzer tatsächlich dazu bewegt werden, eine Anwendung auf seinem Gerät zu installieren, die imstande ist, QR-Codes zu lesen ist ein großer Schritt getan. Allerdings gibt es bereits verschiedenste Software in den Appstores dieser Welt, die sich auch darin unterscheiden, wie gut sie die Codes erkennen und lesen können. Auch die Kameras der Smartphones tragen ihren Teil dazu bei. Nicht jedes Smartphone ist mit einer Kamera in der Qualität des iPhone 4S ausgestattet.

Die Angst den Code zu scannen

Zu guter Letzt bleibt noch die emotionale Hürde der Nutzer, Ihren QR-Code zu scannen. Viel zu oft hören wir verschiedenste Meldungen über die Gefahren, die im Web lauern – und das nicht erst seit gestern! Dialer, Viren, Phishing und auch Meldungen über attackierte & manipulierte Smartphones haben ihren Teil dazu beigetragen. Der Nutzer wird vorsichtiger!
Oft leitet Lesesoftware für QR-Codes den Nutzer direkt auf eine Seite im Web um, ohne dass vorher bekannt gegeben wird, was als nächstes passiert. Das ist zwar komfortabel, birgt aber ein hohes Unsicherheitspotenzial in sich. Der Nutzer kann nicht erkennen, was sich hinter dem Code verbirgt und ignoriert diesen im schlimmsten Fall. „Ist mein Smartphone gefährdet, wenn ich diesen Code scanne?“

Was kann ich tun, um die Konversion zu erhöhen?

Ich erwähnte ja bereits, ein QR-Code ist in erster Linie ein Link und so gelten auch bei QR-Codes größtenteils die Regeln der Weblinks.

Bevor Sie einen Code drucken, bedenken Sie im ersten Schritt: die auf Smartphones installierten Scanner, sowie die verwendeten Kameras sind von unterschiedlicher Qualität. Bewährt hat sich daher, den Code in der Größe von 3cm x 3cm abzubilden!

Wirken Sie den Ängsten der Nutzer entgegen und beschreiben Sie, was den Kunden hinter dem Code erwartet. Auch gilt es, eine treffende Call to Action zu platzieren. Die Aussage darf dabei natürlich möglichst werblich sein!

Der Code soll dem Nutzer lästige Tipparbeit abnehmen, aber nicht alle Nutzer verfügen über ein Smartphone mit Kamera und installiertem Scanner. Drucken Sie daher stets eine zugehörige URL, um auch diesen Kunden die Nutzung des Angebots zu ermöglichen. Sind die URLs verschieden, lassen sich Code und URL zudem getrennt voneinander auswerten. Außerdem sollte die abgebildete URL möglichst kurz sein, denn niemand tippt gern auf einem Handy! Eventuell können Sie Ihre Website mit einem eigenen Linkshortner ausrüsten?

Außerdem sollten Sie den Nutzer dafür belohnen, dass er sich die Mühe macht ihren Code zu scannen. Werfen Sie ihn nicht einfach auf die Homepage ihres Unternehmens. Erfüllen Sie seine Erwartungen, erleichtern Sie ihm den Aufwand oder belohnen Sie ihn mit Incentives.

Fassen wir zusammen

Es gibt viele Gründe, warum ein Nutzer Ihre QR-Codes ignoriert, aber vielleicht können Sie ihn durch einen QR-Code als Kunden gewinnen wenn Sie…

  1. … den Code leicht scannbar drucken
  2. … eine werbliche Call to Action integrieren
  3. … eine URL als Alternative bieten
  4. … die alternative URL kurz halten
  5. … den Nutzer belohnen

Bonus: Haben Sie bereits eine eigene App?

In dem Fall lohnt es sich vielleicht, hier eine Code-Lesefunktionalität zu integrieren. Sie können dann in Ihren Printanzeigen darauf verweisen und den Kunden bitten, den gedruckten QR-Code mit Ihrer App zu scannen. In diesem Fall schaffen Sie es vielleicht, dass die Nutzer zukünftig Ihre App nutzen, wenn Sie über einen Code ihres Unternehmens stolpern.

Weiterführende Informationen

Wenn Sie sich etwas eingehender mit der Technik hinter den QR-Codes beschäftigen wollen, darf ich an dieser Stelle auf die Karrierebibel verweisen, die neben der Wikipedia einen schönen Überblick über QR-Codes und ihre Funktion gibt.
http://karrierebibel.de/qr-code-2011-wird-das-jahr-des-barcode-marketing/

Bleibt mir nur noch, Ihnen viel Erfolg mit dem Umgang von QR-Codes zu wünschen…

Leser schrieben dazu:

  • Mc Bain

    „ein QR-Code ist in erster Linie ein Link“
    …solch ein Hinweis sollte ebenfalls nicht fehlen.
    ich vermute, dass nur die Nerds wissen, warum es diese komischen QR Code-Dings-Bilder gibt, und wie man damit umgeht.
    Eine breite Fraktion der Smartfoner kann nicht einmal den Wecker ihres Telefon-Mini-Computeres benutzen oder weis gar nicht, dass es einen gibt.
    Die finden es es einfach cool ein teures Telefon zu haben, das ihnen ein tolles Image gibt und das ihnen die ultra krasse Möglichkeit eröffnet mit Vögeln auf Schweine zu schießen.
    Solange mit Klingeltönen Geld zu verdienen ist, muss man wohl davon ausgehen, dass selbst einfachste, technische Möglichkeiten längst nicht von jedem beherrschbar sind.
    Ich denke, es ist zu früh für QR-Codes…. oder zu spät. (wenn man bedenkt, wie viele Leute Geld ausgeben, um z.B. einen Bundes-Trojaner zu bezahlen.)

  • Sarah

    Ich hab noch nie von diesem Code gehört und besitze auch kein Smartphone. Was machen ich falsch?

    • Sascha Diercks

      Hallo Sarah,
      wie schon vermutet, ist der QR-Code noch kein Massenmedium und daher benötigt so ein Code die im Text beschriebenen Elemente. Mach Dir also keine Vorwürfe, wenn Du diesen Code nicht kennst. Ich bin mir aber sicher, dass Du schon einmal einen gesehen hast. Um dir und anderen Lesern, die solche Codes noch nicht unter ihrem Namen wahrgenommen haben, diese zu zeigen, habe ich den Artikel um einen Beispielcode erweitert.

  • Kristina

    Das Windows Phone 8 hat einen nativ mitgelieferten QR-Reader:

    1. Den such-button drücken (die Lupe)
    2. Auf das icon mit dem Auge tippen

    in dem Modus werden Texte, Barcodes, QR codes etc. Erkannt und übersetzt. Zusätzliche Apps brauchts nicht…

    in der Kamera-App selbst wäre es schwierig, da mit Fokus, fotografieren bei tippen auf den screen etc., eine User experience dabei ist, die durch QR eher verwirren würde, daher ist es in der Suche zu finden.

  • Sascha Diercks

    Der Beitrag ist zwar schon etwas älter, aber basierend auf meiner Erfahrung kann ich sagen, dass sich die Nutzung der QR-Codes durch den Nutzer nicht verändert hat.
    Sie sollten bei der Verwendung von QR-Codes aber folgendes bedenken:
    – Einen QR-Code zu erstellen ist kostenlos. Also steht dessen Nutzung eigentlich nichts im Weg
    – Verlassen Sie sich nicht ausschließlich auf den QR-Code. Gerade bei einfachen Domains ist die Angabe einer URL immer noch der effektivste Weg

Ihre Meinung interessiert mich sehr: