Gefahren und Probleme beim Einsatz von Slidern und Carousels

Kürzlich stolperte ich über einen interessanten Artikel, in dem beschrieben wurde, das Slider und Carousels zwar nett anzusehen sind, aber dennoch ein Konversionskiller sein können. Sliders und Carousels wurden hier als Modeerscheinung abgetan, die es zu hinterfragen gilt. Lesen Sie den Artikel: Don’t Use Automatic Image Sliders or Carousels, Ignore the Fad

Da ich kein großer Freund von Slidern, Carousels und anderen Dingen, die sich auf Webseiten bewegen, bin, möchte ich den Artikel zum Anlass nehmen und mich etwas intensiver mit diesen Werbemitteln beschäftigen.

Sliders und Carousels – Sie sind überall… oder?

Sliders und Carousels sind gerade groß in Mode und auch große Shoppingsites setzen auf diese Elemente als Werbemittel.

Als Beispiel seien hier Baur, Bon Prix, Zalando und Mirapodo genannt. Auch das populäre Framework für Responsive Websites Foundation kommt mit einem Slider daher.

Allerdings setzen andere große Seiten wie Asos, H&M, Otto und Tchibo auf statische Grafiken. Auch Amazon setzt die bewegten Elemente nur noch sehr sparsam ein.

Gibt es für die Entscheidung, auf Sliders und Carousels zu verzichten, eventuell gute Gründe?

Offenbar gehen die Meinungen hier doch etwas auseinander, also gehen wir das Thema doch einfach mal analytisch an!

Die Vorteile

Als Erstes sehen wir uns einmal die Vorteile an.

Ganz offensichtlich kann man unter zu Hilfenahme eines Sliders viel Inhalt auf einem geringen Platz unterbringen. In diesem Fall werden Slider auch gerne als Argument dafür genommen, auf verschiedene Grafiken zu verzichten und diese durch einen großen Slider zu ersetzen. „Wenn wir die Inhalte nacheinander abspielen, gewinnen wir eine Fläche für schöne, große Bilder!“

Animieren wir den Slider, wirkt die Seite zudem noch extrem modern. An dieser Stelle wird auch gern das Argument „Bewegung generiert Aufmerksamkeit“ ins Feld geführt. Das funktioniert aber nur bedingt – doch dazu kommen wir gleich noch.

Die Nachteile

Kommen wir nun zu den Nachteilen der Slider. Genau genommen sind die Vorteile der Slider auch der größte Kritikpunkt an diesem Element!

Es lassen sich zwar mehrere Inhalte in einer Fläche unterbringen, aber letzten Endes werden dadurch auch die Inhalte versteckt. Der Kunde sieht eventuell nur einen Bruchteil des Inhalts.

Aus diesem Grund werden Slider gern animiert. Im ersten Moment hört sich das sehr gut an, hat aber einen entscheidenden Nachteil: der Slider kann zu viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen! Das kann so weit gehen, dass sich Kunden nicht mehr mit dem Rest der Seite beschäftigen. Das bringt natürlich auch den Effekt mit sich, dass der Slider den Kunden ablenkt, bzw. stört – ich will nicht schreiben, nervt!

Das möchte ich kurz erklären:

Laut Susan M. Weinschenk gibt es zwei Arten von Sehvermögen. Das zentrale und das periphere Sehen. Durch zentrales Sehen fassen Menschen Dinge direkt ins Auge – sie konzentrieren sich auf etwas Bestimmtes. Das periphere Sehen hingegen spielt sich in den Randbereichen des Sehfeldes ab. Es dient seit Urzeiten dazu, Gefahren zu erkennen. Nehmen wir eine Bewegung im Rand unseres Sichtfeldes wahr, können wir nicht anders, als uns darauf zu konzentrieren, denn es könnte eine Gefahr darstellen. Wir werden dann in unserer aktuellen Aktion gestört. Das kann für Nutzer sehr ärgerlich sein und macht sich folgendermaßen bemerkbar:

Der Nutzer hat den Slider passiert und als uninteressant empfunden. Er beschäftigt sich nun mit den Inhalten an anderen Stellen der Website. Der Slider befindet sich nun im peripheren Sichtfeld des Nutzers und lenkt die Aufmerksamkeit durch die Animation immer wieder auf sich. Das kann als extrem störend empfunden werden.

Unter uns: möchten Sie von einem Element auf einer Website in Ihrer Konzentration gestört werden? Sicher nicht!

Die Probleme

Slider und Carousels können auch Probleme machen. Gehen wir diese an dieser Stelle auch einmal durch:

Slider und Carousels setzen aktuell (noch) Javascript voraus. Hier müssen Sie unter Umständen ein Fallback entwickeln, falls das Javascript ausfällt – aus welchen Gründen auch immer.

Mehrere große Bilder in einem Slider führen schnell zu höherem Datevolumen, was zu längeren Ladezeiten führen kann. Gerade im Mobilbereich kann so etwas sehr störend sein! Der Kunde sollte möglichst schnell mit der Website arbeiten können.

Auch die Animationen können Probleme machen, denn ich habe schon oft gesehen, dass die Phasen, in denen die Inhalte eines Sliders gezeigt werden, viel zu kurz waren. Im schlimmsten Fall fehlen dem Slider die Bedienelemente, so dass der Kunde gezwungen ist, sich den kompletten Durchlauf eines Sliders anzusehen. Gern wird die Navigation eines Sliders oder Carousels zu Gunsten der Grafiken viel zu klein dargestellt – in diesem Fall ist die Bedienung eines Sliders sehr anstrengend.

Ein beispielhafter Aufbau eines Sliders

Sie möchten Slider einsetzen?
Dann beachten Sie bitte folgendes

Sie sehen, es gibt einiges beim Einsatz eines Slider zu beachten. Einige Punkte sprechen gegen einen Slider. Wenn Sie aber dennoch Slider oder ein Carousel in ihrer Website nutzen möchten, beachten oder bedenken Sie folgende Punkte:

  1. Es lassen sich in einem Slider mehrere Inhalte in einer Fläche zusammenfassen. Dadurch können Inhalte leicht übersehen werden. Auch kennt der Kunde die Inhalte im Slider nicht und wartet nicht bis alle gezeigt wurden!

    Priorisieren Sie die Inhalte. Der erste Inhalt sollte Ihr wichtigstes Argument sein. Teilen Sie dem Kunden die Inhalte des Sliders von vornherein mit! Klickflächen oder kleine Banner, in denen Sie kurz auf die Inhalte eingehen, neben oder unter dem Slider wären eine Möglichkeit!

  2. Slider ziehen Aufmerksamkeit auf sich. Leider unter Umständen zu viel, so dass sie störend wirken können!

    Lassen Sie Slider nicht automatisch abspielen und sorgen Sie für verständliche und entsprechend große Bedienelemente. Geben Sie dem Nutzer die Kontrolle über den Slider!

  3. Slider sind (noch) abhängig von Javascript!

    Sorgen Sie für ein Fallback, falls Ihr Javascript nicht funktioniert oder der Kunde ohne Javascript auf Ihre Website zugreift. Vermeiden Sie auch Flash! Flash und große Mengen Javascript können kleinere Rechner ausbremsen! Im schlimmsten Fall stürzt der Browser durch Ihre Website ab. Das kann bei einem gefüllten Warenkorb sehr ärgerlich sein!

  4. Slider sorgen für ein größeres Datenvolumen!

    Laden Sie die verborgenen Inhalte eines Sliders nach, nachdem die Seite komplett geladen wurde. Ein statisches Werbemittel ist besser als eine langsame Seite!

    Laden Sie für mobile Endgeräte kleinere Bilder nach, um dem Kunden eine schnelle Seite zu präsentieren!

  5. Testen, testen, testen

    Testen Sie in A/B-Tests, ob Ihre Slider vom Kunden angenommen werden. Werden Ihre Inhalte ignoriert verschenken Sie eventuell Geld! Beachten Sie bitte: eine lange Verweildauer auf einer Seite ist unter Umständen kein positives Zeichen! Dies kann auch auf Probleme mit Ihren Inhalten deuten.

    Messen Sie die Konversion Ihrer Inhalte. Testen Sie unbedingt eine statische Version gegen Ihren Slider!

Leser schrieben dazu:

  • Nils Frank

    Ich, persönlich, kann Slider auch nicht leiden.
    Vorallem wenn es um Responsive Webdesign geht.
    Die meisten passen sich kaum an, oder wirken einfach nur schlecht!

    Deine Argumente sind mehr als klasse, werde ich mir merken, und dann einsetzen, wenn ich sie mal wieder brauche, wenn ich mit meinem Webdesign Kollegen über Slider streite (-:

Ihre Meinung interessiert mich sehr: